LED-Zusatzbelichtung im Erwerbsgartenbau: Warum moderne Lichtrezepte weit mehr als nur Strom sparen

Steigende Energiekosten, veränderliche Witterungsverläufe und immer strengere gesetzliche Vorgaben beim Einsatz chemischer Pflanzenschutz- und Stauchungsmittel stellen moderne Unterglasbetriebe vor fundamentale Herausforderungen. Wer Zierpflanzen, Topfkräuter oder Gemüsekulturen wirtschaftlich und termingerecht auf den Markt bringen will, kann sich in den lichtarmen Monaten nicht mehr auf diffuse Sonneneinstrahlung und veraltete Leuchtmittel verlassen.

Lange Zeit galten Natriumdampf-Hochdrucklampen (HPS/NDL) als unangefochtener Standard im Erwerbsgewächshaus. Doch der Technologiewechsel hin zu hocheffizienter Industrie-LED-Beleuchtung ist längst kein reines Energiesparprojekt mehr. Richtig konzipierte LED-Armaturen fungieren heute als aktives Steuerungsinstrument, mit dem Gärtnereien Pflanzenmorphologie, Bewurzelungsraten und Kulturzeiten exakt kalkulieren können.

1. Photonenausbeute: Von Lumen zur messbaren Systemeffizienz (µmol/J)

In der gärtnerischen Produktion ist die photometrische Helligkeit (Lux oder Lumen) fachlich ohne Aussagekraft. Entscheidend für die Photosyntheserate ist ausschließlich der Photonenfluss im photosynthetisch aktiven Strahlungsbereich (PAR, 400–700 nm) sowie angrenzenden Wellenlängen.

Während klassische 600W- oder 1000W-Natriumdampflampen eine Effizienz von selten mehr als 1,8 bis 2,1 µmol/Joule erreichen, liefern professionelle Horticulture-LEDs heute Werte von 3,0 bis über 3,5 µmol/Joule. Das bedeutet:

  • Bis zu 50 % Stromeinsparung bei identischer Photonenflussdichte (PPFD) auf Bestandesebene.

  • Verdopplung des Lichtlevels bei gleicher elektrischer Anschlussleistung der bestehenden Gewächshausinfrastruktur.

  • Signifikant längere Nutzungsdauer: Hochwertige LED-Module halten 50.000 bis über 70.000 Betriebsstunden (L90B10) ohne nennenswerten Spektraldrift oder Leistungsverlust, während HPS-Leuchtmittel oft schon nach zwei bis drei Saisons getauscht werden müssen.

2. Morphologische Steuerung: Kompakter Wuchs ohne chemische Hemmstoffe

Die europäische Zulassungspraxis schränkt die Verfügbarkeit synthetischer Wachstumsregulatoren (Hemmstoffe zur Stauchung) kontinuierlich ein. Für Topfpflanzen- und Zierpflanzenerzeuger wird das Lichtspektrum daher zum wichtigsten biologischen Werkzeug:

  • Gezielte Blauanteile (450 nm): Ein erhöhter Blauanteil im Spektrum hemmt das Längenwachstum der Internodien über Cryptochrome und Phototropine. Die Bestände wachsen von Natur aus kompakter, standfester und blattreicher – der Bedarf an chemischen Stauchmitteln sinkt drastisch.

  • Verhältnis von Hellrot zu Dunkelrot (Red/Far-Red): Pflanzen registrieren über ihre Phytochrom-Systeme das Verhältnis von 660 nm (Hellrot) zu 730 nm (Dunkelrot). Durch das bewusste Absenken oder Hinzuschalten von Dunkelrot kann das Schattenflucht-Verhalten wahlweise unterdrückt oder zur gezielten Blühinduktion (z. B. bei Kurztagskulturen) genutzt werden.

  • Weißlicht-Basis für optische Bestandskontrolle: Reine Rot-Blau-Leuchten („Pufflicht“) erschweren Mitarbeitern die visuelle Qualitätskontrolle sowie das frühzeitige Erkennen von Schädlingsbefall. Moderne Breitbandspektren bieten ein biologisch hochwirksames Spektrum bei gleichzeitig hervorragender Farbwiedergabe für das menschliche Auge.

3. Mikroklima im Wandel: Konvektionswärme statt Infrarotstrahlung

Ein zentraler Unterschied zwischen HPS und LED liegt in der Wärmestrahlung. Natriumdampflampen geben einen großen Teil ihrer Energie als direkte Infrarotstrahlung nach unten auf die Blattoberfläche ab. Das wärmt den Bestand, treibt jedoch bei geschlossenen Energieschirmen die Spitzentemperaturen unkontrolliert nach oben und erhöht den Verdunstungsstress.

LED-Leuchten hingegen strahlen nahezu keine Hitze nach unten ab. Ihre Verlustwärme entsteht am Leuchtenrücken und wird über massive Aluminium-Kühlkörper nach oben an die Gewächshausluft abgegeben:

  • Entkopplung von Licht und Wärme: Sie können auch an warmen, aber trüben Frühjahrstagen voll belichten, ohne dass die Temperatur im Gewächshaus unzulässig ansteigt.

  • Angepasste Heizstrategie: Im Winter muss die Raumtemperatur eventuell über die Rohrheizung um 1 bis 2 °C angehoben werden, um die fehlende Strahlungswärme der HPS zu kompensieren. Die Gesamtenergiebilanz bleibt dennoch deutlich im Plus, da Heizenergie aus Gas oder Fernwärme meist um ein Vielfaches günstiger ist als Strom für ineffiziente Leuchtmittel.

4. DLI-Steuerung und Sensorintegration

Pflanzen reagieren primär auf die über den Tag akkumulierte Lichtmenge – das Daily Light Integral (DLI), gemessen in mol/(m²·d). Ein zeitgesteuertes Ein- und Ausschalten führt fast immer zu Unter- oder Überbelichtung.

Professionelle LED-Installationen werden heute über DALI-2, 0-10V oder KNX an den Klimacomputer angebunden. PAR-Sensoren im Gewächshausdach messen die einfallende natürliche Strahlung in Echtzeit: Zieht eine dichte Wolkendecke auf, regelt das System die LED-Armaturen stufenlos hoch; bricht die Sonne durch, dimmen die Leuchten automatisch ab oder schalten ab. Dadurch erhält die Kultur jeden Tag exakt das vordefinierte Tageslichtintegral, was ein homogenes Bestandeswachstum und verlässliche Liefertermine garantiert.

Wer heute in moderne LED-Technik investiert, rüstet nicht nur bestehende Belichtungsflächen um, sondern sichert sich eine voll steuerbare, planbare Produktionsumgebung für die gärtnerischen Anforderungen der kommenden Jahre.

SIE HABEN FRAGEN ZU UNSEREN PRODUKTEN?

KONTAKTIEREN SIE UNS!

Team Pflanzenlampen: Alex Neusius und Steven Gillmann

Autoren:

Alexander Neusius & Steven Gillmamm – Neusius Pflanzenlicht